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systours | 19 Februar, 2008 (22:42) | pakistan
13.12.07
17.12.07
tag 1.
die karte lügt. sei´s drum. weil ich niemals flächendeckend die usa besucht habe, jedoch mit dem volkswagen variant durch den halben dschungel des nördlichen südamerikas gekarrt wurde. weder in salzgitter, noch in paderborn gewesen, dafür aber ein halbes leben lang überall mal in einem einzigen bundesland gelebt (nicht berlin, nicht hamburg, nicht bremen).
das bißchen vorarbeit, um mir surreale bedenken vor dem aufenthalt in pakistan zu nehmen, bleibt vorerst erfolglos. aber ich bin doch frei von vorurteilen. oder nicht? was bitte erwartet mich in einem land, dessen hauptstadt islamabad heißt? wie sehen die menschen dort aus, wie ticken sie? sind die frauen verschleiert? und wie verlässlich ist wikipedia? kann ein atomstaat eine metropole für filmindustrie hervorbringen, die sich augenzwinkernd lollywood nennt? ich meine, da kommen doch die c´mons aus dem megaphon geperlt. good morning, c´mons, anyone?
was ich früher am ehesten mit pakistanis in verbindung gebracht habe, waren die jungs, die freitag morgens die rote ampel vor der autobahnauffahrt nutzten, um zeitungen an den mann zu bringen, obwohl ich da wirklich nicht sagen könnte, ob es sich um pakistanis handelte. ein film namens “drachenfutter” hat vorschub beim vorurteil geleistet, alle wolle rose kauffe?-rosenverkäufer seien pakistanischer herkunft. mehr berührungspunkte habe ich mit dieser kultur nicht.
es sind noch 45 minuten bis zur landung in karachi. ich vertrete mir die beine und habe gleich gelegenheit, dies zu ändern. der junge mann, der mit mir in der flugzeugküche steht und einen orangesaft ordert und im nebensatz nach einem raucherrefugium an bord fragt, versucht mich in ein gespräch zu verwickeln. es ist zwar nicht gerade meine uhrzeit, um tiefgängige gespräche mit fremden zu führen. aber ich bin zu müde, ich lasse es geschehen.
es dauert nicht lange, da höre ich heraus: er will etwas loswerden, was ihn belastet. er sei germanistikstudent, zumindest bis vor ein paar tagen gewesen. er wurde ausgewiesen, seine studienzeit habe sich mit seiner aufenthaltserlaubnis gebissen. nun sei er bald in der heimat, nach zehn jahren das erste mal, und er wisse nicht, was ihn erwarte, sein bruder sei der einzige eingeweihte der familie, der wisse, dass er sich quasi strafbar gemacht habe, kein beendetes studium in der tasche, keine aussicht, wieder das land verlassen zu dürfen, keine chance auf arbeit und ja, politisch, was solle er bloss machen, es gäbe keine hoffnung.
während ich ab und zu fragen stelle, um ihn daran zu hindern, seinen in den augen stehenden tränen freien lauf zu lassen, wird mir zum ersten mal bewusst, wieviel privilegien ich als freier bürger in meiner heimat geniesse. aus meinem mund kommen verzweifelt schlechte mutmachersätze, wer denn schon wüßte, ob es nicht doch eine veränderung in der zukunft gäbe. nach all seiner lobhudelei auf deutschland, die menschen und allem westlichen fällt es mir umso schwerer, ihm die positiven aspekte seiner heimkehr schmackhaft zu machen. und: bitte, was weiß ich schon. als fast alle passagiere das flugzeug verlassen haben, wünsche ich ihm zum abschied noch alles gute. ich wäre ein so ein anti-telefonseelsorger. er ist zuhause. ich muss weiter nach lahore.
mit etwa einstündiger verspätung steige ich in lahore aus, noch ein ort, das in meinem oberstübchen-google earth transparent angezeigt wird. weil ich noch nicht da war. am flughafen bietet sich ein seltsames bild. die ankommenden werden von den anwesenden wie überall auf der welt erwartet und empfangen. keine hysterie, kein frenetentum. freude ist ihnen anzusehen, es wird sich begrüßt und geherzt, doch wirkt es, als würden gleich alle anwesenden gleich nach dem großen bahnhof zum takt einer melodie rhythmisch maschinengewehre in die luft recken. und es sind keine frauen anwesend. vielleicht aber doch, bloß verkleidet. die finster dreinschauenden männer sind in traditionellen salwar kameez gekleidet sind, sie tragen tragen crossovermode, eine art bein-kleid.
im hotelzimmer angekommen, räume ich die minibar zugunsten meines eingeschmuggelten care-pakets aus. ich traue dem schwach kühlenden gerät einiges zu. die kühlschranktür lässt sich nur schwer schliessen. ich schminke mich ab, an den morgigen tag denkend brauche ich noch lange, um einzuschlafen.

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