die hirscheninsel
systours |
tag 10.
speedboatfahren, wasserfall angucken, ile aux cerfs, schnorcheln und dann hummeressen. das ist der plan für heute. mit uns warten zwei englische paare, die wir nicht kennen, auf den bootsfahrer. mit etwas verspätung trifft er am strand ein und stellt sich als spikey vor. er sagt, wir müssten uns etwas beeilen, er habe schon schnell gemacht, aber die familie des hotelmanagers habe überraschend einen überraschungsbesuch angekündigt und so habe er noch einige vorkehrungen treffen müssen.
wir klettern ins boot und spikey gibt gas. wirklich. keine haltegriffe, keine kekse. der mann sitzt hinten beim motor und bekommt nasse pobacken. ich sitze vorne, werde nicht nass, kann aber ohne viel zutun mit den gesichtsbacken flattern. wenn alles gut ginge, hätten wir den wasserfall für uns alleine, etwas später würden eine menge touristen da sein, meint spikey.
der wasserfall liegt in einer bucht. schwarze lavafelsen und milchig-bläuliches flußwasser mischt sich mit meerwasser, es fehlen nur noch regenwäldische vogelklänge und fitzcarraldo. wir sind tatsächlich die allerersten. spikey manövriert um ein paar gesteinsbrocken herum, die aus dem wasser ragen. rob, eine der beiden englischen männer, die uns begleiten, bittet darum, die plastikflasche (links unten im bild) aus dem wasser holen zu dürfen. das sähe nicht aus. nachdem wir angelegt haben, sind die ersten katamarane in sichtweite. jetzt heißt es flitzen, sofern das überhaupt geht.
überall stehen abgeschnittene plastikflaschen (ahja) mit bunten blumen herum und weißbemalte autoreifen, aus denen grünes herausragt.
oben angekommen, sind doch schon menschen da. es sind mauritier, sie springen von den felsen in den fluss. einer hüpft sogar über den wasserfall ins meer. direkt vor ein boot, das eben angekommen ist. die boatpeople flippen förmlich aus und klatschen frenetisch. auf dem weg zurück zur anlegestelle kommt uns eine schulklasse entgegen. das war timing- wir sehen zu, daß wir wegkommen. spikey fragt, ob wir gerne erfrischt sein wollen. der mann, nicky, robs frau, und ich nehmen cola, der andere mann, carl, bekommt einen einheimischen rum aufgedrängt. seine frau ann bittet ihn um zurückhaltendes trinken, was mit verhaltenem gekicher quittiert wird. spikey deutet in die bäume, ob wir die fledermäuse sehen könnten. ja, alle, bis auf carl. “just shoot me, can´t see anything.”
spikey fährt aus der bucht auf das meer hinaus. plötzlich hält er an, stellt den motor ab. wer jetzt snorkling wollte, könne das hier und jetzt tun, ausrüstung sei vorhanden, aussehen und alter egal, gerne auch mit kind. ann fragt nach der “shark situation”. keine haie, wegen des korallenriffs. wir seien noch innerhalb der lagune. ann will trotzdem nicht. carl, rob und ich klettern über die bordwand. da ich ein so geübter schnorchler wie ich ein geübter rechtshänder bin, bin ich innerhalb von wenigen minuten wieder im boot, um das salzwasser auszuhusten. nach einer weile haben die männer auch genug gesehen und wir fahren zur ile aux cerfs, der insel mit hirschen drauf. komischerweise sehen wir noch weniger hirsche als in pamplemousses, im botanischen garten, nicht einmal eingezäunte, nämlich gar keine.
das wasser ist postkartenblau, seicht, noch hundert meter vom strand weg steht man höchstens knöcheltief im wasser. der sand, postkartenweiß, feingekörnt. kein urlauber schwimmt, obwohl das irgendwo weit draußen wohl ginge, doch die wenigen menschen im meer sitzen. die englische delegation schlägt vor, bis zur abholung zum essen den rest der insel zu erkunden. die männer möchten sich den golfplatz angucken. die frauen gehen mit, obwohl sie golf langweilt. ” can you imagine people coming here to play golf only? they wouldn´t even go swimming!”, echauffiert sich nicky. “ann, remember these guys on that cruise talking about it?” ann erinnert sich. die pärchen kennen sich seit mehr als 20 jahren und gehen seit 18 jahren zusammen urlauben. ann und carl sind seit 48 jahren verheiratet, rob und nicky erst seit 43. nächstes jahr, sagt nicky, wollen sie endlich mal nach mexiko, mit dem schiff. das sei dann ihre dritte oder vierte kreuzfahrt zusammen.
spikey holt uns ab. nach kurzer fahrt entschuldigt er sich und macht den motor aus. technische probleme? das wird doch nicht gerade jetzt passieren, wo wir doch alle hunger haben! er springt ins wasser und zieht einen geldschein heraus. den habe er gerade aus der ferne gesehen. wer den pfennig nicht ehrt… 
wir werden auf einen scheinbar einsamen teil der insel gefahren. am strand erwartet uns eine sega tanzende gruppe. links unter bäumen sitzen bereits andere gäste. wenn die nicht wären, könnte man meinen, man sei am schönsten platz der erde angekommen. wir bekommen einen tisch etwas abseits, nur für uns. getränke werden geordert, das essen gereicht, ein halbes hendl und eine portion reis mit speckwürfeln und erbsen. wir lassen es uns gut gehen. eine halbe stunde später kommt eine frau vorbei und legt jedem eine scheibe gegrillten schwertfisches auf. nach einer weiteren halben stunde kann keiner von uns mehr essen, doch da sehen wir schon wieder die frau mit dem silbernen tablett durch den sand schlendern. der mann hat den schwertfisch zugunsten des hummers, der große klasse ist, sausen lassen. recht hat er. 
gegen vier machen wir uns wieder auf. dem mann und mir hat es die oberschenkel verbrannt. ann und nicky hatten sich während der fahrt den schoß mit einem handtuch bedeckt. so klug waren wir nicht. kurz bevor wir das hotel sehen können, haben wir noch mehrmals gelegenheit, ein paar kitesurfern zuzuwinken. spikey erspäht ein paar hotelgäste in einem tretboot und dreht noch eine runde um sie herum - zum mäßigen vergnügen derer, die im tretboot sitzen. sie haben sich halt für gemütlichkeit entschieden.
wir nehmen in der lobby noch einen tee. schließlich ist es fast fünf. weniger gelassen sind die jungs hinterm tresen. plötzliche verliebtheit verleiht superkräfte. die däninnen sind schuld. sie sind klar als solche zu erkennen. junge, blonde mädels. nicht nur die jungs, sondern auch die männlichen hotelgäste sind wie ausgewechselt. als die damen an der bar platz nehmen, gibt es kein halten mehr. die kellner umgarnen um ihr leben. und grinsen kann man das schon nicht mehr nennen. besonders einer fährt alle geschütze auf. er bittet arun, “ins getränkelager” zu gehen.
als er wieder zurückkommt, übergibt er ihm das ergebnis seines lagerausflugs, eine aus einer papierserviette gebastelten rose. vereinzelt ist gekicher zu hören. aber hier geht es um mehr. arun verrät uns mehr zwinkernd als augenrollend und hinter vorgehaltener hand, daß steve, die grinsekatze, seine telefonnummer auf den stengel gekritzelt hat. süß.
den abend lassen wir entspannt ausklingen. morgen ist der letzte tag und wir müssen früh raus.

erst von einigem abstand zum gebäude ist zu erkennen, worauf das zerfallende mosaiksteinbild in orange und hellblau über dem nebeneingang des marktes einmal hingedeut hat: post office. ich zeige wohl zu großes interesse an den antiquierten lagerfächern, sodaß es einen postangestellten auf den plan ruft. trotzdem kann ich noch schnell dieses bild mitnehmen.
der fahrer holt uns ab. er sagt, wir hätten nochmal gelegenheit, auf dem weg nach port louis ein paar edelsteine und teppiche undsoweiter, doch wir danken und so geht es direkt über die zweispurige autobahn richtung hauptstadt. er setzt uns am hafen in der nähe einer shopping mall ab.



