die hirscheninsel

systours | 19 Dezember, 2007 (17:08) | auf maure | No comments

tag 10.

speedboatfahren, wasserfall angucken, ile aux cerfs, schnorcheln und dann hummeressen. das ist der plan für heute. mit uns warten zwei englische paare, die wir nicht kennen, auf den bootsfahrer. mit etwas verspätung trifft er am strand ein und stellt sich als spikey vor. er sagt, wir müssten uns etwas beeilen, er habe schon schnell gemacht, aber die familie des hotelmanagers habe überraschend einen überraschungsbesuch angekündigt und so habe er noch einige vorkehrungen treffen müssen.

wir klettern ins boot und spikey gibt gas. wirklich. keine haltegriffe, keine kekse. der mann sitzt hinten beim motor und bekommt nasse pobacken. ich sitze vorne, werde nicht nass, kann aber ohne viel zutun mit den gesichtsbacken flattern. wenn alles gut ginge, hätten wir den wasserfall für uns alleine, etwas später würden eine menge touristen da sein, meint spikey.

der wasserfall liegt in einer bucht. schwarze lavafelsen und milchig-bläuliches flußwasser mischt sich mit meerwasser, es fehlen nur noch regenwäldische vogelklänge und fitzcarraldo. wir sind tatsächlich die allerersten. spikey manövriert um ein paar gesteinsbrocken herum, die aus dem wasser ragen. rob, eine der beiden englischen männer, die uns begleiten, bittet darum, die plastikflasche (links unten im bild) aus dem wasser holen zu dürfen. das sähe nicht aus. nachdem wir angelegt haben, sind die ersten katamarane in sichtweite. jetzt heißt es flitzen, sofern das überhaupt geht.

wass.jpgüberall stehen abgeschnittene plastikflaschen (ahja) mit bunten blumen herum und weißbemalte autoreifen, aus denen grünes herausragt.

oben angekommen, sind doch schon menschen da. es sind mauritier, sie springen von den felsen in den fluss. einer hüpft sogar über den wasserfall ins meer. direkt vor ein boot, das eben angekommen ist. die boatpeople flippen förmlich aus und klatschen frenetisch. auf dem weg zurück zur anlegestelle kommt uns eine schulklasse entgegen. das war timing- wir sehen zu, daß wir wegkommen. spikey fragt, ob wir gerne erfrischt sein wollen. der mann, nicky, robs frau, und ich nehmen cola, der andere mann, carl, bekommt einen einheimischen rum aufgedrängt. seine frau ann bittet ihn um zurückhaltendes trinken, was mit verhaltenem gekicher quittiert wird. spikey deutet in die bäume, ob wir die fledermäuse sehen könnten. ja, alle, bis auf carl. “just shoot me, can´t see anything.”

spikey fährt aus der bucht auf das meer hinaus. plötzlich hält er an, stellt den motor ab. wer jetzt snorkling wollte, könne das hier und jetzt tun, ausrüstung sei vorhanden, aussehen und alter egal, gerne auch mit kind. ann fragt nach der “shark situation”. keine haie, wegen des korallenriffs. wir seien noch innerhalb der lagune. ann will trotzdem nicht. carl, rob und ich klettern über die bordwand. da ich ein so geübter schnorchler wie ich ein geübter rechtshänder bin, bin ich innerhalb von wenigen minuten wieder im boot, um das salzwasser auszuhusten. nach einer weile haben die männer auch genug gesehen und wir fahren zur ile aux cerfs, der insel mit hirschen drauf. komischerweise sehen wir noch weniger hirsche als in pamplemousses, im botanischen garten, nicht einmal eingezäunte, nämlich gar keine.

das wasser ist postkartenblau, seicht, noch hundert meter vom strand weg steht man höchstens knöcheltief im wasser. der sand, postkartenweiß, feingekörnt. kein urlauber schwimmt, obwohl das irgendwo weit draußen wohl ginge, doch die wenigen menschen im meer sitzen. die englische delegation schlägt vor, bis zur abholung zum essen den rest der insel zu erkunden. die männer möchten sich den golfplatz angucken. die frauen gehen mit, obwohl sie golf langweilt. ” can you imagine people coming here to play golf only? they wouldn´t even go swimming!”, echauffiert sich nicky. “ann, remember these guys on that cruise talking about it?” ann erinnert sich. die pärchen kennen sich seit mehr als 20 jahren und gehen seit 18 jahren zusammen urlauben. ann und carl sind seit 48 jahren verheiratet, rob und nicky erst seit 43. nächstes jahr, sagt nicky, wollen sie endlich mal nach mexiko, mit dem schiff. das sei dann ihre dritte oder vierte kreuzfahrt zusammen.

spikey holt uns ab. nach kurzer fahrt entschuldigt er sich und macht den motor aus. technische probleme? das wird doch nicht gerade jetzt passieren, wo wir doch alle hunger haben! er springt ins wasser und zieht einen geldschein heraus. den habe er gerade aus der ferne gesehen. wer den pfennig nicht ehrt… ile.jpg

wir werden auf einen scheinbar einsamen teil der insel gefahren. am strand erwartet uns eine sega tanzende gruppe. links unter bäumen sitzen bereits andere gäste. wenn die nicht wären, könnte man meinen, man sei am schönsten platz der erde angekommen. wir bekommen einen tisch etwas abseits, nur für uns. getränke werden geordert, das essen gereicht, ein halbes hendl und eine portion reis mit speckwürfeln und erbsen. wir lassen es uns gut gehen. eine halbe stunde später kommt eine frau vorbei und legt jedem eine scheibe gegrillten schwertfisches auf. nach einer weiteren halben stunde kann keiner von uns mehr essen, doch da sehen wir schon wieder die frau mit dem silbernen tablett durch den sand schlendern. der mann hat den schwertfisch zugunsten des hummers, der große klasse ist, sausen lassen. recht hat er. humm.jpg

gegen vier machen wir uns wieder auf. dem mann und mir hat es die oberschenkel verbrannt. ann und nicky hatten sich während der fahrt den schoß mit einem handtuch bedeckt. so klug waren wir nicht. kurz bevor wir das hotel sehen können, haben wir noch mehrmals gelegenheit, ein paar kitesurfern zuzuwinken. spikey erspäht ein paar hotelgäste in einem tretboot und dreht noch eine runde um sie herum - zum mäßigen vergnügen derer, die im tretboot sitzen. sie haben sich halt für gemütlichkeit entschieden.

wir nehmen in der lobby noch einen tee. schließlich ist es fast fünf. weniger gelassen sind die jungs hinterm tresen. plötzliche verliebtheit verleiht superkräfte. die däninnen sind schuld. sie sind klar als solche zu erkennen. junge, blonde mädels. nicht nur die jungs, sondern auch die männlichen hotelgäste sind wie ausgewechselt. als die damen an der bar platz nehmen, gibt es kein halten mehr. die kellner umgarnen um ihr leben. und grinsen kann man das schon nicht mehr nennen. besonders einer fährt alle geschütze auf. er bittet arun, “ins getränkelager” zu gehen.

als er wieder zurückkommt, übergibt er ihm das ergebnis seines lagerausflugs, eine aus einer papierserviette gebastelten rose. vereinzelt ist gekicher zu hören. aber hier geht es um mehr. arun verrät uns mehr zwinkernd als augenrollend und hinter vorgehaltener hand, daß steve, die grinsekatze, seine telefonnummer auf den stengel gekritzelt hat. süß.

den abend lassen wir entspannt ausklingen. morgen ist der letzte tag und wir müssen früh raus.

ausflug ins bunte

systours | 12 Dezember, 2007 (15:38) | auf maure | No comments

tag 9.

nach einer kurzen absprache mit dem taxifahrer steht unsere route fest. es sei zu umständlich, zuerst nach port louis zu fahren, curepipe sei auf dem weg dorthin. was auch immer. na gut. unterwegs hält er auf einem parkplatz. „you want to go shopping? this is a good outlet for clothing!“
wir verneinen freundlich.
„ok!“
nach zwei weiteren haltestellen ahnen wir, daß es vielleicht um provision geht und lenken ihn geschickt um. trotz allem wird er nicht aufdringlich. bestimmt ist das nicht der einzige grund. man will sich und seine insel eben von der schokoladenseite präsentieren. neben der landwirtschaft ist der textilmarkt die letzten jahre eine immer größere wirtschaftliche einnahmequelle geworden und wir stellen fest, daß die qualität der lokalen klamotte nicht von schlechten eltern ist. wenn auch auf dem ein oder anderen shirt ein leicht verrutschtes, dennoch um luxus bemühtes “dolce & cabanna” prangt.

wir lassen uns an einem lediglich von einheimischen besuchten markt in der nähe eines busbahnhofs absetzen und verabreden mit dem fahrer eine uhrzeit zur abholung. der dutyfree-bestand zigaretten vom herflug ist futsch. jeden tag nichts tun geht auf die lunge.

einige hamsterkäufe benson später finden wir uns in einem überdachten gemüse & allerlei labyrinth wieder. post.jpgerst von einigem abstand zum gebäude ist zu erkennen, worauf das zerfallende mosaiksteinbild in orange und hellblau über dem nebeneingang des marktes einmal hingedeut hat: post office. ich zeige wohl zu großes interesse an den antiquierten lagerfächern, sodaß es einen postangestellten auf den plan ruft. trotzdem kann ich noch schnell dieses bild mitnehmen.

überall gibt es was zu schauen. bordeauxfarbene, transparente saris hängen in den schaufenstern, im bodenbereich liegen oder stehen devotionalien in form von vergoldeten hindu-gottheiten. die schuhgeschäfte sind teils görtz, teils deichmann, alles unter einem dach. neben dem fachladen für elektrogeräte stehen extrabunte bobbycar-kopien mit rüschdach und plüschhasengesichtern. aber auch fieses kann man hier erstehen, violette glitzerpumps mit acrylabsatz, plastiknippes und selbst mode für okapis, wenn auch nur für schlanke.

zum ende hin finden sich die straßenküchen und wie hier ein paar reine stände für naschkatzen.curesuess1.jpg der fahrer holt uns ab. er sagt, wir hätten nochmal gelegenheit, auf dem weg nach port louis ein paar edelsteine und teppiche undsoweiter, doch wir danken und so geht es direkt über die zweispurige autobahn richtung hauptstadt. er setzt uns am hafen in der nähe einer shopping mall ab.

port louis hat mit ca. 155.000 einwohnern etwa soviel wie oldenburg oder berlin- kreuzberg. wenn das die ebays wüssten. aber dafür müssten sie sich für land und leute interessieren.

in der kleinen mall im amerikanischen stil gibt es alles, mc donalds und markenware jeglicher art. wir möchten gerne einheimisch essen, so wir machen uns auf, ein im reiseführer empfohlenes restaurant aufzusuchen. entweder haben wir zuwenig navi in uns oder sind zu blöd, das lokal zu finden. wir befinden uns im bisher spannendsten teil der stadt, dem chinesischen viertel. spröden charme nennt man das wohl. aber auch ein beispielloses beispiel von ungewöhnlichem nebeneinander von kulturen. direkt hinter einer chinesischen pagode, die den eingang des chinesischen viertels markiert, steht eine gewaltige weiße moschee unter pakistanischer flagge.

und hier geht auch der handwerker einkaufen. hier residiert der einheimische obi, aber quasi aufgeteilt auf mehrere geschäfte, jedes ist eine spezialabteilung. außerdem geht hier der gastronom her, um hardware für die küche zu erstehen. am straßenrand werden sowohl flip-flops und feinrippunterhosen als auch kokosnüsse und pepperoni feilgeboten.

das macht appetit, der hunger nimmt ausmaße an. wir gehen zur mall zurück und fallen über einen stand her, der sich “tikka masala” nennt. besser geht es nicht. später zieht es uns zu höher gelegenem terrain. wir sehen uns den einzigen vulkankrater an, von dem der reiseführer laut wissenschaft ausgeht, daß er sich nicht mehr rührt und der taxifahrer ob der sensation sehr wohl auf einen eventuellen ausbruch spekuliert.

fünf minuten fahrt später können wir uns die stadt fast komplett ansehen. wir haben vor der englischen festung auf einer anhöhe eine fantastische sicht. links das hippodrom, in der mitte ein paar hochhäuser, rechts der hafen. alles geschützt von einer bergkette. prima panorama, prima ausflugsende.port.jpg

pferdewetten, so arun irgendwann, ist neben manchester united und liverpool gutfinden, der volkssport schlechthin. jeden samstag laufen fast alle drei programme heiß, nachrichten aus pakistan hin oder her. morgen wird hier die hölle los sein. und es gibt mal fernsehprogramm, das man nebeher laufen lassen kann.

künstliches hüftgelenke

systours | 8 Dezember, 2007 (13:34) | auf maure | No comments

tag 8.

wir machen einen auf hotelgäste. morgen wollen wir nämlich eine tagestour in die hauptstadt machen. an der rezeption möchten wir ein paar informationen einholen. ein deutscher, der im begriff ist, abzureisen, rät uns: “wenn sie nach port louis fahren, dann nicht zu spät. ab 18 uhr ist die stadt ausgestorben. sehen sie sich in curepipe um, da wohnen die mauritier, in port louis wird nur gearbeitet.”

dass sich das nachtleben hauptsächlich am wochenende abspielt, das ging aus dem reiseführer deutlich hervor. das geht wirklich in ordnung. die jüngsten sind wir auch nicht mehr, auch wenn wir den altersschnitt im hotel etwas senken und discomenschen waren wir nie. irgendwann muß man diesen übertritt in die welt “der anderen” auch mal wagen. es beginnt schleichend damit, filzpantoffeln in moderner optik einfach nur praktisch zu finden. und endet irgendwann damit, daß man sich in einer hellblauen stretchkombi wiederfindet, in jeansoptik- um modisch mitzuhalten. das wird hoffentlich noch ein paar jahre dauern. bis dahin verbummeln wir erstmal unseren urlaub. nicht alltagen müssen tut auch mal gut.

bald steppt hier der bär

das hotelprogramm für heute nacht verheißt mystisches: eine performance traditioneller musik und tanz, sega. zur zeit der sklaverei entstanden und beliebt bei alt und jung. uns ist sega noch nicht begegnet. vielleicht wird vor oder nach dem abfackeln der zuckerrohrfelder gesungen und getanzt. aber es ist real existent, genau wie der etwa achtzigjähriger mann, der die bühne betritt. er beginnt zu singen und sich dazu langsam im kreis zu drehen. es klingt ein wenig so, wie man sich musik vorstellt, die aus der zeit der sklaverei hervorgegangen ist. verschmitzt, fröhlich und mit hüftschwüngen. genau das passiert dann auch, verschmitztes, fröhliches beckenrotieren. ich find´s zunächst lustig, muß aber nach einiger zeit dann doch irgendwie wegschauen.

später an der bar wird wieder exzessiv verwöhnt. wie das leben zuhause überhaupt weitergehen soll- wir haben alles verlernt. kälte, schwere kleidung, essen beschaffen und zubereiten, arbeiten und aufräumen. und den umgang mit unfreundlichem servicepersonal, das für eine jämmerliche darbietung auch noch geld haben will. aber wir haben noch etwas zeit. ein österreichisches paar unterhält sich mit zwei iren, die ihren letzten cocktails bestellen. wir bekommen mit, daß sie heute abreisen und kurz werden wir ins gespräch miteingebunden. auch sie beschäftigt immer noch der auftritt des sega-mannes. richtig benennen kann es niemand, richtig lange hinschauen konnte keiner. als wir richtung bett schlendern, bemerken wir im strauch vor zimmer 301 eine mittelgroße dänische flagge. diesen menschen möchte man doch beim kofferpacken zuschauen. vielleicht gibt es irgendwann ein passendes fernsehformat dazu. “gepäckalarm!” oder so. fehlt nur noch ein schmissiger untertitel. “untertitel- wenn der titel allein nichts hermacht und für menschen, die nicht viel verstehen”.

just do it!

systours | 6 Dezember, 2007 (18:34) | auf maure | 1 comment

tag 7.

nach ausgedehntem halbschattenchillen gönnen wir uns eine postkarten-session. langsam wird es aber auch zeit, in 5 tagen sind wir nämlich wieder in der heimat. zwischendrin müssen wir ein paar kreuzworträtsel lösen. gefragt ist “unwillkommener gast”. wir kommen nicht drauf, obwohl nur zwei buchstaben fehlen. da ich aber nicht weiß, welche “tochter agamemnons” und welches “flüßchen i. d. niederlanden” genau gesucht wird, bleiben diese felder leer. sowas fuchst mich.

sinnliche boote, sinnliche bootsnamen: vitamin sea

es ist eine deutliche verschiebung im gefüge der hotelgäste festzustellen. einige sind abgereist, neue dazugekommen. die ebaypeople sind zu unserer freude noch da und haben seit einigen tagen heimlich freundschaft geschlossen mit zwei anderen berlinern. die lassen wir uncodiert, obwohl mickey und rooney wie arsch auf eimer passen würde. beides würde allerdings nur den mann bezeichnen, die frau geht an seiner seite vollkommen unter. in statur und aussehen ganz mickey rooney, aber gesegnet mit der stimmlage von mickey mouse. an der bar bekommen wir eine kostprobe:

es könnte ein sketch von juhnke & arendt sein. mickey beugt sich vornüber über die theke und setzt vermeintlich zum flüstern an. der kellner, arun, ist ganz ohr. mickey brüllt genau dort hinein, die gewünschten mengen mit fingerzeig untermalend: “zwei bier, eine cola, einen baileys …”

da arun ganzjährig mit solchen ausnahmeerscheinungen zu tun hat, aber wohl auch, weil der mann allabendlich dasselbe ordert, vervollständigt der freundliche tresenmann die bestellung aus dem ff. mickey nimmt aber nicht dankend den hut und hält die klappe, sondern er pfeift (!) für alle hörbar den kellner zurück, als der sich ans zapfen machen will. als habe dieser nicht verstanden, wer hier der besteller sei! und wiederholt laut und langsam, was er haben möchte. arun könnte nicht gelangweilter aus der wäsche gucken und winkt ab.

und das ganze vor dem hintergrund, daß wir jeden abend ungefragt unsere getränke hingestellt bekommen. vom lautlosen refill, lange vor dem zur neige gehen der vorangegangenen, mal ganz abgesehen. am anderen ende der theke steht okapifrau. sie hat jetzt erst gesehen, daß okapimann sein nike-shirt verkehrtherum und auch noch auf links trägt. sie rügt ihn, dann noch mehr, als er sich anschickt, sein problem an ort und stelle zu beheben. spätestens als sie unüberhörbar “don´t do it! don´t do it!” zischt, kann jeder sehen, wie ein umgedrehtes häkchen auf seinem schulterblatt einen flunsch zieht.

im zimmer stellt der mann an sich und mir sonnenbedingte hautveränderungen fest. ich habe nur gesunde, zurückhaltende röte abbekommen, doch er hat eine leichte allergie. im licht der terrassenlaterne lenken wir uns davon mit einem noch ungelösten schwedenrätsel ab. diesmal kommen wir über “walprodukt” und “europäer” tatsächlich zur gesuchten tochter agamemnons. es ist elektra. das bringt uns zu unserem “unwillkommenen gast”. wir lösen: urian.wir haben eine kleine katze in diesem suchbild versteckt. findest du sie?

taxi?

systours | 5 Dezember, 2007 (15:00) | auf maure | No comments

tag 5.

…vergeht ohne nennenswerte vorkommnisse. nur der franzose, der jedem, der es hören will oder nicht, in gebrochenen englisch von seinem tiefseefischfang erzählt und von dessen größe prahlt und die er mit den händen nachzustellen versucht, geht in die annalen als mann mit der fischgeschichte ein. er hatte an einer organisierten tour teilgenommen, die professionelle und damit große fänge versprach, da weit draussen von der küste entfernt geangelt wurde.

nachdem er tatsächlich einen marlin an bord gezogen hatte, sah er sich als rechtmäßiger eigentümer des ungetüms. das sah der kapitän aber anders. es mußte erst zu “minderen handgreiflichkeiten”kommen, damit dieser ihm widerwillig eine sprotte aushändigte.

tag 6.

1 million einwohner, verteilt auf mehrere inseln, 2.040 km² klein. und noch gilt es einiges zu sehen. wir taxien ins touristische grand baie, ganz im norden der insel. der rezeptionist hatte davon abgeraten, zu sehr nepp. was wir vom rat eines mannes halten sollen, der tiere mit gebrochenen flügeln “in den baum setzen” lässt, wissen wir ja jetzt.

wir haben einen solofahrpreis “hin” ausgehandelt. wir spekulieren wie an tag 3 auf einen milderen für die rückfahrt. wie wir später erfahren, ist das nicht wirklich wirtschaftlich: die taxen sind an einen bestimmten fixstandort, z.b. an ein hotel gebunden. deutlich auf fahrer- und beifahrertür prangt ein gelbes schild mit entsprechender kennung. oft ist die anmietung eines taxis für den ganzen tag billiger, denn die fahrer dürfen höchstens zurück zum abfahrtsort unterwegs jemanden mitnehmen, der sie anhält. bilder wie am frankfurter flughafen findet man hier vergeblich. das heißt, egal, wie weit der weg ist, die rückfahrt bleibt in der regel eine leerfahrt. das schlägt sich entsprechend auf den preis. in grand baie angekommen, entdecken wir als erstes einen minimalistischen hindu-tempel. von aussen wie von innen bunt. plexigläserne schreine mit plastikgottheiten. ein wirklich mit viel liebe und noch mehr dekoflitter ausgeschmückter raum.

als wir wieder auf der straße stehen, brüllt jemand “taxi, sir?!”- der mann:”thank you, we just arrived!”. so schlimm war der tempel nun auch wieder nicht.

im anschluß shoppen wir ein wenig herum, und zwar so lange bis dem mann ein schuh kaputt geht. danach gehen wir schuhe shoppen. für den mann. der besitzer des “chaussures shop” ist überraschenderweise ein weißer- noch überraschender: ein mittdreissiger mit weißen haaren und augenbrauen. der charmante verkäufer bietet zwei paar für den preis von einem an. dummerweise trage ich keine pumps und der sneaker meiner wahl ist nur noch in 36 vorrätig. der mann sucht sich ein paar aus und zahlt umgerechnet 17 €.

auf halbem weg nachhause kraft tanken

grand baie lässt sich innerhalb von 20 minuten komplett erkunden. wir haben eigentlich auch schon alles gesehen, möchten uns noch mit einem snack und zigaretten versorgen, bevor wir die rückreise antreten. wir finden eine kleines einkaufsparadies. mit kleinen strandbedarfsläden, optikern, einem riesigen shoppingcenter und einem autoscooter. an dem jeder vorbeigeht- alleine scootern ist auch ein antispass. eher idiotisch. mal sehen, was super u shoppingcenter so hat. wir schlendern gerade an einer palette nudossi vorbei, als der strom ausfällt. in so einer situation sich nicht die hosentaschen in einem ostafrikanischen supermarkt mit aus ostdeutschland importierten brotaufstrich vollzustopfen, kann man definitiv als geistesgegenwärtig bezeichnen. wir haben noch zweimal die gelegenheit, unsere reflexe zu trainieren, doch es trifft uns jedesmal unvorbereitet.

meine vermutung, es müsse durch die nähe zu la réunion, das teil der eu ist, weil es zu frankreich gehört, auch meine zigarettenmarke geben, ist falsch. es gibt aber die lieblingskippen des mannes, was ihn diebischst freut. ich habe die wahl zwischen benson, camel, pall mall, den einheimischen embassy, matinee und 555. korrekter name wäre 666, denn so schmecken sie auch. matinee ist tatsächlich recht lecker.

wir kaufen die komplette gewürzabteilung leer. für einen lächerlichen betrag decken wir uns für die nächsten paar dekaden mit pfefferkörnern, kurkuma, loorbeerblättern und indischen würzmischungen ein. eine davon, stellt sich später heraus, wurde aus australien importiert. hm.

einem ähnlichem irrtum falle ich beim aprés-einkauf snacken zum opfer. daß dank globalisierung alle fastfoodketten, die ich aus der heimat kenne, gleiches angebot haben müssen. in einem land, in dem aufschnitt mit fleischquelle unüblich ist, kann man schwerlich erwarten, daß es bei pizzahut salamipizza gibt. die einheimischen mögen halt andere dinge. inder ißt nicht von der kuh, der muslime nichts vom schwein und der chinese zwar sogut wie alles, aber keine butterbrote mit wurstsalat. dennoch habe ich mich auf genau das gefreut. die wahl des belags fällt auf irgendwas grünes und hühnergewürfeltes. und es liegt schwer im magen. wer schon mal außerhalb der landesgrenzen bei mc donalds war, kennt das pulp fiction-phänomen: in korea bekommt man kimchi burger und in indien die mccurry pan. think global, eat local.

das soll aber auch die erste und letzte negative geschmackserfahrung bleiben. gegen sonnenuntergang sind wir wieder im hotel. der speisesaal wirkt trotz menschen eigenartig leer und ruhig. der mann mit der fischgeschichte ist abgereist. und jetzt?